Ich kann mich noch ganz genau erinnern, wie es war, am 13. März 2020, als die Schulschließung angekündigt war. Montag, Dienstag sollte noch Schule sein, trotzdem beschlossen wir, so wie die meisten anderen Eltern auch, unsere Kinder von der Schule abzuholen und alles mitzunehmen, was gut war, weil der Unterricht am Montag schon nicht mehr wirklich stattfand.

Wir trafen beim Abholen noch einige andere Eltern. Hielten Abstand, waren verunsichert, was kommen mag, wussten noch nicht so recht, was wir von Corona halten sollten und wie das alles werden würde.

Heute, lustigerweise exakt 8 Monate später, wieder an einem Freitag dem 13., erhielt ich um 11:30 von meiner Tochter einen Anruf, ich solle sie bitte dann von der Schule abholen. Sie soll alles mit nach Hause nehmen. – Wiedereinmal.

Und doch ist so vieles  anders.

Wenn wir jetzt andere Eltern treffen würden, würden wir nicht mehr verunsichert Abstand halten. Das Abstandhalten ist uns in Fleisch und Blut übergegangen und schließlich haben wir ja noch unsere Masken, die wir am Schulgelände tragen müssen UND: Wir dürfen sowieso nicht in die Schule hinein.

Ich muss nur ein Kind von der Schule abholen, weil das zweite Kind geht gar nicht mehr in die Schule, sondern ist in den letzten 2,5 Monaten so ein richtiges Freilernerkind geworden.

Kind Nummer 3 wurde von ihr angesteckt und hat beschlossen, dass sie nicht mehr in den Kindergarten gehen will, somit muss ich auch in dieser Hinsicht keine Entscheidung treffen, ob sie weiter hingeht oder nicht.

Kind 1 ist sehr selbständig, was das lernen betrifft, für mich wird sich also nicht so viel ändern, dadurch dass sie zu Hause ist, im Gegenteil, mir wird sich vielleicht sogar der eine oder andere Freiraum eröffnen, indem ich mal bevor sie aus der Schule nach Hause kommt oder mein Mann aus der Arbeit, Spazierengehen oder einkaufen gehen kann. Für sie wird es allerdings nicht so toll, denn schon der erste Lockdown hat ihr mit großer Klarheit gezeigt: „Ich will in die Schule gehen!“. – Ihr fehlen die Freundinnen, der Kontakt, der Austausch, wenn sie zu Hause lernen soll und die Aussicht auf Sportunterricht per Videochat erfüllt sie auch nicht mit Freude. 🙂

Trotzdem, für mich ist es ein emotionaler Moment: Jetzt ist es also wieder so weit. Wir dürfen uns wieder ganz auf unsere Kernfamilie reduzieren. – Wie gut, dass wir eine so relativ große Familie sind, wo immer etwas los ist.

Wie gut, dass mein Leben zu 85% sowieso virtuell abläuft.

Trotzdem, dieses Mal fällt es mir schwer, die paar Dinge, die ich „in der echten Welt“ tue aufzugeben. Museumsbesuche, meine Maltherapie-Ausbildung, Kaffeehausbesuche und Restaurantbesuche waren ja schon vor 1,5 Wochen dran. Jetzt fällt auch noch „normales“ Shoppen und einige wenige Leute treffen weg.

Ich bin mir nicht sicher, ob ich meine Kinder auch diesmal daran hindern werde, mit den Nachbarskindern zu spielen. Ich bin mir auch nicht sicher, ob ich mich mit gar niemandem treffen werde. Ich werde versuchen, das Leben für meine Kinder so normal wie möglich weiterlaufen zu lassen und trotzdem die Vernunft walten zu lassen.

Ich hoffe, alle hier im Lande finden die richtige Balance zwischen Selbstfürsorge und trotzdem tun was ihnen gut tut und Eigenverantwortung im Sinne der Eindämmung dieser „Pandemie“, die mittlerweile hauptsächlich indem logistischen Problem besteht: „Wie können wir sicherstellen, dass es nicht zu viele Leute auf einmal bekommen?“ – Anstatt wie wir im Frühjahr dachten: „Wie können wir den Virus ausrotten?“