WebsiteTalk: Über den „Schmerz der Ungewissheit“

19. Feb 2021 | Webdesign

… und die Erleichterung, wenn sich die Einzelteile plötzlich wie von selbst zusammenfügen

Diese Woche plaudere ich mal aus dem Nähkästchen über die schönen und die nicht so schönen Seiten der intuitiven Arbeit als Webdesignerin.

Bevor ich tatsächlich beginne, die Styleguides und Webseiten für neue Kundinnen zu erstellen, gibt es immer diesen Moment, wo ich einen riesengroßen Knoten im Bauch (und im Kopf) habe und denke „Ich kann mir nicht vorstellen, wie das alles jemals zusammenpassen soll!“.

Das ist wirklich ein unangenehmer Moment, der mich auch fast körperlich belastet und ich glaube auch meinen Kundinnen geht es zu dem Zeitpunkt gar nicht so gut, weil sie eben auch vieles erarbeitet und recherchiert haben, aber auch nicht sehen, wie es zusammenkommen soll. (Wenn sie das sehen würden, bräuchten sie meine Hilfe ja nicht, oder?)

Mein aktuelles Projekt: Eine neue Webseite für Gabriela Simonet Mäder, Kosmetikerin in der Schweiz

Genauso ging es mir diese Woche. – Meine Kundin schickte mir Schritt für Schritt das ausgefüllte Workbook zurück, verschiedene Moodboards, Antworten auf die Websiterecherche, mit denen ich zuerst nichts anfangen konnte, ein altes grünes Logo und gleichzeitig, der Wunsch nach mehr Farbe und Pep. Das Studio ist mit sehr viel grün gestaltet und es gibt auch schon Fotos, aber alle Hochformat.

Der Wunsch: Es soll bitte schön nicht so langweilig, wie alle anderen Kosmetikstudio Seiten werden. Die Seite von Quittenduft ist toll.

Meine Schwierigkeit: Für mich war keine offensichtliche klare Linie zu erkennen, was ihr nun gefällt und was sie sich nun wünscht ist. – Ich glaube, so genau wusste sie das selbst nicht. 😉

Aber dann…

Wenn ich mich endlich hinsetze und zu arbeiten beginne…

1. Entwurf…

Auch wenn der Ansatzpunkt, den ich gewählt habe eher langweilig erscheint, beginnt mein Unterbewusstsein, das vorher alle Informationen wie ein Schwamm aufgesogen hat, seine Arbeit.

In diesem Fall begann ich also einfach mit der naheliegendsten Variante, die Farbkombinationen fast unverändert von Website und Logo zu übernehmen, sodass alles  (vorhandene Visitenkarten, Flyer, Wegweiser) so bleiben kann, wie es ist. Der zusätzliche rosa Farbton wäre hauptsächlich als Hintergrund in den Bildern und einzelnen Akzenten vorgekommen.

Was rauskam war ok, aber nicht aufregend.

2. Entwurf

Dann wurde ich schon mutiger, nahm nur mehr einen sehr dunklen Grünton mit hinein und eher erdige Rosatöne. Die Bilder wären bei der Variante auch eher dünkler und natürlicher gewesen, was mir grundsätzlich sehr gut gefällt, aber für das vorhandene Studio mit den vorhandenen Fotos überhaupt nicht geeignet war.

Das das Ergebnis war also fast noch weniger rund als das erste.

3. Entwurf – und plötzlich hat es Klick gemacht!

Ich beschloss, die grüne Farbe bis auf das Logo komplett in die Bilder zu „verbannen“ und fand ein paar Aquarell-Elemente, die farblich super passten und gefühlt, das sein könnten, was der Seite eine bunte Lebendigkeit gibt. Etwas, von dem ich dachte, dass es meiner Kundin an den anderen Webseiten gefallen haben / oder auch gefehlt haben könnte.

Farblich geht das Rosa jetzt von einem lebendigen Pink, das sich die Kundin gewünscht hatte, bis zu einem sanfteren hellrosa, das für mich ganz stark für Fürsorge, umsorgt sein, wohlfühlen steht. Es kam noch ein Sandton dazu, der die Freiheit und Entspannung ausdrückt.

Auch zeigten sich endlich Fotos, die mit den vorhandenen harmonierten.

In der Nacht arbeitete das Unterbewusstsein weiter – 4. Entwurf

Nachdem ich bis vor dem Schlafengehen an dem Styleguide gearbeitet hatte, konnte ich dann natürlich nicht komplett abschalten und so lieferte mir mein Unterbewusstsein in der Nacht noch eine Lösung für das „fehlende Headerbild“, die wahrscheinlich gut aussehen wird. (Es ist kein Portrait im Querformat vorhanden, wie ich es immer gerne ganz oben auf der Seite verwende, daher muss ich eine andere Lösung finden.)

Außerdem sah ich im Schlaf noch viele Bilder vor mir und konnte heute ziemlich schnell noch bessere Bilder auswählen, die wir dann auf der Webseite einbauen können und den Styleguide noch ein wenig anpassen.

Ich habe beschlossen, das Rosa nicht für die Schrift zu verwenden und den dunklen Farbton für die Schrift noch ein wenig angepasst und sanfter gemacht. Einige Bilder habe ich ebenfalls ausgetauscht und noch mehr Bilder mit Sand hinzugefügt.

Die Kundin ist begeistert

Heute in der Früh hatte ich als ich dann aufwachte, schon ein Mail von der Kundin im Postfach, dass sie begeistert ist, sich sehr freut und die Anspannung, die sie die letzten Tage beim Erarbeiten der Inhalte begleitet hat, von ihr abgefallen ist.

Und was soll ich sagen? Mir geht es genauso. Jetzt kann ich ganz entspannt und voller Freude in unseren WebsiteStolz-PowerSprint Tag am Dienstag und Donnerstag hineingehen und bald die fertige Webseite präsentieren!

PS: Während des Schreibens dieses Blogbeitrags habe ich unabsichtlich noch ein neues Wort kreiert, nämlich das „UnterWEBustsein“, das ist mein Unterbewusstsein, das beim Erstellen eines Styleguides oder einer Webseite auf Autopilot ist, alle Bausteine zusammenbaut und letztendlich ein überzeugendes Ergebnis liefert. 😉

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